AI – der Gott der Zukunft

 

Wenn Leute sagen, dass Künstliche Intelligenz zu einer Black-Box wird, die Entscheidungen trifft und die Menschen nicht mehr in der Lage sein werden, zu verstehen, wie es zu diesen Entscheidungen kommt, dann kommt mir das allzu bekannt vor.

Gott ist auch nichts anderes als eine Black Box, ein komplizierter Algorithmus, der das Schicksal beeinflussende Entscheidungen trifft. Der gläubige Mensch kann allenfalls spekulieren, nicht aber erklären, warum. Er versucht sich nach den Regeln des Algorithmus, den der gläubige Mensch Gott nennt, zu verhalten. Weil der gläubige Mensch annimmt, dass Gott Buch führt, über die Sünden wie die guten Taten des Menschen. Der gläubige Mensch denkt, dass Gott die guten Taten belohnt und die schlechten bestraft, dass Gott ein kompliziertes Register führt, komplizierter und allumfassender als Google oder Payback oder die Schufa. Sich gut im Sinne der Regeln zu verhalten ist nichts neues. Ich kenne es aus dem katholischen Bayern, in dem ich aufgewachsen bin.

Und so, wie Künstliche Intelligenz mensch-gemacht ist, ist Gott mensch-gemacht. Hat sich der Mensch Gott ausgedacht.

Wie kam es, dass sich der Mensch Gott ausgedachte?

Die Hirne der Menschen sind ausgelegt, in Gruppen von maximal 100 Individuen zusammenzuarbeiten. Danach stößt das Hirn an seine Kapazitätsgrenze der Kollaboration. Mit dem Trick der gemeinsamen Geschichte, des gemeinsamen Gottes, haben es die Menschen geschafft, sich in immer größeren Schwärmen zu organisieren, um gemeinsam an immer größeren Zielen zu arbeiten.

So haben die Menschen den gesamten Planeten unterworfen. Der Mensch hat mit Gott (bzw. den verschiedenen Götter, der verschiedenen Religionen), Regelsysteme entwickelt, an die sich die kritische Masse der Individuen innerhalb einer Gruppe halten, bzw. hielten.

Das Regelsystem der Götter hat ausgedient. Denn es stößt gerade an seine Kapazitätsgrenzen. Die durch technischen Fortschritt hervorgerufene, immer bessere Kommunikation unter den Individuen und zwischen den Gruppen lässt das bestehende System brüchig werden. Zweifler gab es schon immer, die erkannten, wie offensichtlich blödsinnig die Black-Box Gott ist. Doch deren Stimme ist verhallt, noch bevor sie eine kritische Menge an Menschen erreichen konnte. Die heutigen Kommunikationswerkzeuge ermöglichen es nun den Zweiflern, genügend Menschen zu erreichen und zu überzeugen, so dass das System des Glaubens am Kippen ist. Die kritische Masse ist vermutlich schon erreicht. Wir erleben derzeit einen Krieg der Geschichten, das vermutlich letzte Aufbäumen derer, die an eine Wahrheit glauben. Es ist ein Kampf der schon seit einigen Generationen ausgefochten wird. Gott ist tot und immer mehr Menschen sind sich dessen bewusst.

Der Mensch ist gerade dabei, das System Gott zu durchschauen und das macht es notwendig, ein neues System zu etablieren, ein System, so kompliziert, dass der Mensch es mit seinem Hirn nicht knacken kann. Ein System, das es ermöglicht, in noch größere Gruppen von Menschen (mehr als 1,5 Milliarden, wie die größten Religionen) zusammenzuarbeiten.

Kapitalismus, Konsumismus, Humanismus sind Kandidaten. Der Glaube an die Künstliche Intelligenz des Supercomputers ist nun auch im Rennen, das Organisationsprinzip für die Zukunft zu werden. So manche glauben, dass Künstliche Intelligenz der aussichtsreichste Kandidat sei.

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